Beziehung und Bindung


Bindung verstehen und entstehen lassen

 

Die Bindungstheorie nach John Bowlby, ein Pionier der Bindungsforschung, hat vier Bindungstypen ermittelt.

 

-Die sichere Bindung


-Die unsicher-vermeidende Bindung


-Die unsicher-ambivalente Bindung


-Die desorganisierte Bindung

 

Einige Forscher, darunter Adam Miklosi, haben die Bindungstheorie, auf Hunde und deren Menschen übertragen.

 

Unterschied Beziehung zu Bindung:


Bindung ist eine tiefe, emotionale Verbindung, bei der  Bindungspartner nicht ohne weiteres ausgetauscht werden kann, ohne dass Trauer und Verlustgefühle auftreten.


Beziehung ist hingegen ein allgemeiner Begriff für jede Form der sozial motivierten Verbindung, sie ist wechselseitig und somit aufkündbar.

 

Wenn ein Hund in unser Leben kommt, entwickelt sich zunächst eine Beziehung zueinander. Aus einer guten Beziehung kann dann mit der Zeit Bindung entstehen. Bindung entsteht jedoch nicht durch Versorgung oder Training.

Bindung entsteht durch:

 

Präsenz - für den anderen da sein – in dem Sinne, wirklich anwesend zu sein.


Empathie – sich in den andern hinein fühlen, ihn ernst nehmen und verstehen.


Feinfühlige Reaktionen – angemessene und liebevolle Reaktionen auf gezeigtes Verhalten zeigen.


Körperliche Nähe – der andere darf mir nahe sein, wann und so oft er es braucht.


Sicherheit geben – durch Berechenbarkeit im eigenen Verhalten, Routinen, tun was man sagt und natürlich durch echtes Beschützen.


 

Bindung kann nicht trainiert, nicht mit Leckerli erzeugt und nicht einfordert werden, man kann Bindung nur anbieten.



 

Im Bindungsaufbau gibt es verschiedene Phasen:

 

 

Phase 1 Ankunft

Die erste Phase kann für den Hund, egal ob Welpe oder erwachsener Hund, zunächst ein Schock sein. Dies könnt  die erste Trennungserfahrung in seinem Leben darstellen, und er wird mit großer Wahrscheinlichkeit überfordert sein.

 

Phase 2 Orientierungslosigkeit

In der zweiten Phase ist der Hund orientierungslos. Nichts ist mehr so wie es war, alles ist neu. Er hat(noch) keine Bezugsperson.

 

Phase 3 Erste Bindungssuche

Der Hund bringt sein Bedürfnis nach Bindung zum Ausdruck, indem er nachläuft und überall hin folgt. Er hat das Bedürfnis nach Nähe.

 

Phase 4 Stabilisierung

Der Hund zeigt erste Selbstständigkeit und beginnt zu spielen.

 

Phase 5 Vertrauen

Das Vertrauen wächst, der Hund fühlt sich beim Menschen sicher und beginnt zu erkunden.

 

 

Diese Phasen sind nicht statisch, es kann zu Vermischungen im Verhalten kommen. Das durchleben dieser Phasen ist so individuell wie jeder Hund selbst.  Der Hund braucht eine Hauptbezugsperson.

 

 

Das Bindungsbedürfnis ist ein biologisch verankert. Es dient der Sicherung von Nähe, Schutz und Co-Regulation. Bindung dient der emotionalen Entwicklung und ist Überlebenswichtig, sie wirkt langfristig auf:

Emotionale Stabilität, Selbstwirksamkeit, Autonomie und soziale Kompetenzen.

Die Art der Bindung ist Grundlage für Lernen und Erfolg.

 

 

Es ist wichtig Verhalten nicht einfach nur Wegtranieren zu wollen, sondern zu verstehen dass gezeigtes Verhalten oft Ausdruck eines tiefer liegenden Bedürfnisses ist. Jedes Lebewesen hat Grundbedürfnisse. Um eine sichere Bindung aufzubauen ist es wünschenswert diese Grundbedürfnisse zu erfüllen. Nachfolgend die Bedürfnispyramide nach Maslow, die wurde für Menschen entwickelt ist aber in den ersten 4 Punkten zu 100%  auf Hunde übertragbar.



 

 Die fünf Stufen der Maslowschen Bedürfnispyramide:

 

 

1. Physiologische Bedürfnisse (Grundbedürfnisse): 100% auf Hunde übertragbar

Dies sind die fundamentalen Bedürfnisse zum Überleben, wie Nahrung, Wasser, Schlaf, Wohnung und Kleidung. 


2. Sicherheitsbedürfnisse: 100% auf Hunde übertragbar

Diese umfassen den Wunsch nach Sicherheit, Schutz vor Gefahren, Stabilität und Ordnung. 


3. Soziale Bedürfnisse (Zugehörigkeit): 100% auf Hunde übertragbar

Hierzu gehören das Bedürfnis nach Liebe, Freundschaft, Gemeinschaft und einer Gruppenzugehörigkeit. 


4. Individualbedürfnisse (Wertschätzung): 100% auf Hunde übertragbar

Dies beinhaltet sowohl die eigene Wertschätzung (Selbstachtung, Selbstvertrauen) als auch die Wertschätzung durch andere (Anerkennung, Erfolg).

 

5. Selbstverwirklichung: teilweise auf Hunde übertragbar

Die höchste Stufe beschreibt das Streben nach persönlicher Weiterentwicklung, dem Ausschöpfen des eigenen Potenzials und dem Leben nach den eigenen Werten.

 

 

Um Bindung aufzubauen ist es unerlässlich für die Erfüllung der Grundbedürfnisse zu sorgen. Diese Bedürfnisse sollten ohne jegliche Gegenleistung erfüllt werden. Der Hund muss nicht Sitz machen für Futter, er muss nicht Sitz machen, um geliebt zu werden. Er erhält Futter, Wasser, Schutz und Ordnung, Freundschaft und Liebe einfach nur, weil er da ist. Wir haben den Hund zu uns geholt, und somit haben wir uns verpflichtet, für sein körperliches und psychisches Wohlergehen zu sorgen.

 

Es kann jedoch vorkommen, dass wir Menschen uns alle Mühe geben, der Hund aber Verhalten zeigt mit dem wir nicht zufrieden sind. Vielleicht haben wir bereits versucht dagegen anzutrainieren, doch der Erfolg bleibt aus. Wie bereits erwähnt, ist Verhalten immer Ausdruck eines Bedürfnisses. Wir können den Hund nicht fragen, deshalb sollten wir gut beobachten, auch unser eigenes Verhalten. Wenn wir Verhalten beobachten, sollten wir dies  ohne Bewertung tun. Beobachtet zunächst objektiv, als würdet ihr von außen sehen, was genau passiert.

 

 Fragt euch anschließend, welche Gefühle sind in euch präsent sind. Welche

Stimmung herrscht in euch gerade vor? Welche Gefühle könnte mein Hund zum Ausdruck bringen?


Unsere Hunde haben ähnliche Gefühle wie wir, und jeder erlebt Gefühle auf seine eigene Weise. Wenn ich also weiß, dass eine Situation ungefährlich ist, bedeutet das noch lange nicht, dass der Hund das ebenfalls so einstuft.  


Das Ziel ist immer eine sichere Bindung.


Wir selbst haben aber auch einen Bindungsstiel den wir unbewusst leben. Wir als Menschen können uns reflektieren und dann bewusst das eine oder andere ändern. Hunde können das nicht, es liegt in unserer Verantwortung dem Hund so gut wir es können, eine sichere Bindung  anzubieten.   

 

Wenn der Eindruck entsteht dass die Bindung noch nicht so optimal ist, können wir Bindung

„Nacharbeiten“. Zuerst lassen wir alle Kommandos weg die nicht Überlebenswichtig sind. Ein Rückruf kann sehr wichtig sein, aber ob ein Hund neben mir Sitz macht oder nicht ist oft unwichtig.



Wie stellt der Mensch eine sichere Bindung her? 

 

 

Feinfühligkeit: Wahrnehmen - richtig interpretieren – angemessen reagieren

 

Beispiel:  Der Hund ist unruhig und läuft immer wieder zur Türe – Wahrnehmen

                 Der Hund muss mal raus – richtig interpretieren

                 Hund anleinen und raus gehen – angemessen reagieren

 

Verlässlichkeit: Vorhersehbarkeit im Alltag, Rituale, eigene Stimmung, Reaktionen

 

Beispiel: Routinen im Alltag helfen dem Hund den Tag etwas vorhersehbarer zu machen.     

                Freundliche Grundstimmung im Umgang mit dem Hund, in den Reaktionen         

                Vorhersehbar bleiben. (Heute über das anspringen freuen, morgen wegen des

                Anspringen schimpfen) Rituale etablieren - Anleinritual, Ritual zum Schlafen gehen

 

Körperliche Nähe:  Kontaktliegen, sanfte Berührungen, gemeinsames Ruhen- wenn der Hund  

                                   das will. Mitkommen dürfen    

 

Beispiel: Der Hund darf da sein wo der Mensch ist, wenn er gestreichelt werden möchte dann

                wird er gestreichelt. Wenn er zeigt das er nicht angefasst werden möchte, dann wird      

                er nicht gestreichelt. Oft liegen Hunde neben uns und wollen nicht angefasst werden,

                wenn wir es dann doch tun, gehen sie. Der Hund darf Nähe einfordern und mir von

                einem Zimmer ins andere folgen.

 

Ko-Regulation: Stress, Angst und Überforderung gemeinsam tragen. Den Hund durch seine

                              eigene Sicherheit und Ruhe regulieren.                                                                         

 

Beispiel: Der Hund ist ängstlich, Präsent sein und ihn nicht alleine lassen, den

                Hund mit seiner Emotion ernst nehmen, ihn zu sich einladen, trösten.

                Und Nein- Angst kann man nicht durch Trost Verstärken! Bei Stress den Hund

                durch die eigene Ruhige Stimmung, eventuell mit Körperkontakt, regulieren.  

  

 

                                  Bindung ist ein emotionales Band        

 

Niemand muss Perfekt sein, du nicht und dein Hund auch nicht. Beim Bindungsaufbau geht es um Liebe, Anteilnahme und Wärme. Das Gefühl verbunden zu sein und einander Vertrauen zu können. Die Nähe des anderen genießen können und sich auf den anderen verlassen können.

 

                           Eine sichere Bindung ist die Voraussetzung für erfolgreiches Training